Spannende Begegnungen im Sinsheimer Technik-Museum mit vielen deutschen Radsport-Helden | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Das Sinsheimer Auto- und Technikmuseum war am vergangenen Freitagnachmittag für drei Stunden der Nabel der deutschen Radsportwelt

Spannende Begegnungen im Sinsheimer Technik-Museum mit vielen deutschen Radsport-Helden

Spannende Begegnungen im Sinsheimer Technik-Museum mit vielen deutschen Radsport-Helden

Das Sinsheimer Auto- und Technikmuseum war am vergangenen Freitagnachmittag für drei Stunden der Nabel der deutschen Radsportwelt. Und Mitglieder des CCE waren mittendrin!

Der 28. August 1966 – das ist für den Radsportler nicht irgendein Datum, es ist der Tag, als Rudi Altig auf dem Nürburgring die erste und einzige Weltmeisterschaft für Deutschland im Straßenrennen gewinnen konnte.

Aus diesem Anlass wurde nun 60 Jahre nach Rudi's Triumph und 10 Jahre nach seinem Tod in einem „Gedächtnis-Jubiläum“ mit einer gebührenden Würdigung an ihn erinnert. Unter den Ehrengästen befand sich alles, was im deutschen Radsport Rang und Namen hat.

Jan Ullrich, Tour de France-Sieger 1997, Dietrich „Didi“ Thurau, 15 Tage lang trug er bei der Tour das gelbe Trikot des Spitzenreiters, Detlef Zabel vertrat seinen Sohn Erik, den einstigen Sprintkönig bei der Tour, Olaf Ludwig, Olympiasieger 1988 oder auch Ute Enzenauer, die mit 16 Jahren jüngste Straßen Weltmeisterin aller Zeiten wurde. Und dann natürlich Rudi's 91-jähriger großer Bruder Willi Altig, mehrmaliger deutscher Meister und Etappensieger beim Giro d`Italia. Beide wurden aufgrund ihrer bärenstarken Rennen auch „Die Ochsen“ genannt. Begleitet wurde Willi von Rudi's Ehefrau Monique mit ihren Kindern.

Los ging's mit einem Rundgang durch die große Rennrad-Sammlung mit der Rudi-Altig-Sonderausstellung, die untrennbar mit einem Namen verbunden ist:

Joachim „Jockel“ Faulhaber, ein „Radsport-Verrückter“ aus Kaiserslautern, der unzählige Exponate zusammengetragen hat, aber in seiner Fußball besessenen Heimatstadt am Fuß des Betzenbergs keinen Platz fand und diesen im Sinsheimer Museum dann aber fand. Es war die Idee von Rudi, diese Radsport-Schätze hier auszustellen und Museumspräsident Hermann Layher erinnerte sich, dass ihm zunächst „die Spucke wegblieb“, als der große Rudi Altig mit Faulhaber vorsprach, um das Projekt in die Wege zu leiten. „Rudi, du darfst hier machen, was du willst“, so Layher und er rollte ihm im wahrsten Sinne des Wortes den roten Teppich aus. Als vorsichtig angefragt wurde, ob man denn drei Glasvitrinen aufstellen dürfe, hat die museumseigene Werkstatt gleich mal 10 Vitrinen produziert und aufgestellt. Layher verlieh im weiteren Verlauf des Festakts die Ehrenmitgliedschaft beim Auto- und Technik-Museum an Jan Ullrich. Beim Rundgang hatte dann Altig viele kleine Anekdoten zu den verschiedensten Ausstellungsstücken zu erzählen.

Es folgte eine einstündige Talkrunde, bei der Rudi's Familie und viele sportliche Wegbegleiter ihre Erlebnisse mit dem Idol schilderten. So erzählt Altig vom Tag des größten Triumphs seines Bruders, dem „Monnemer Bub“, als sich dieser aufmachte, auf dem legendären und gefürchteten Nürburgring die Weltelite aufzumischen. Willi war Rudi`s Berater und Stratege und es wurde der Plan ausgeheckt, wie die 273-km lange Strecke in der „grünen Hölle der Eifel“ am besten bewältigt werden könne. Es ging nur rauf und runter, Erholungsphasen gab es so gut wie keine, denn abwärts musste man sich schon wieder den nötigen Schwung für den nächsten Berg holen. Von 74 Fahrern erreichten damals nur 22 das Ziel und Rudi konnte in einer perfekt kalkulierten Verfolgungsfahrt seine Weltklasse-Konkurrenz regelrecht düpieren. So verwies er in einem beherzten Schluss-Sprint Jaques Anquetil, den fünfmaligen Tour-Sieger und Raymond Poulidor, den „ewigen Zweiten“, auf die weiteren Plätze. Und auch einem gewissen jungen Eddy Merckx, ehrfurchtsvoll „Kannibale“ genannt, zeigte er nur noch sein Hinterrad. Merckx gewann insgesamt 34 Etappen bei der Tour de France. Im weiteren Verlauf der Talkrunde gaben Rudi's Frau Monique und die Kinder Steven, Cindy und Iris einen privaten Einblick in ihr Leben mit dem Ehemann und Vater.

Die Gesprächspartner und Wegbegleiter Didi Thurau, Olaf Ludwig, Wolfgang Lötsch, Mario Kummer und Hans Holcer blickten zurück auf eine wahnsinnig aufregende Zeit mit einer sportlichen und menschlichen Ausnahmeerscheinung und leiteten dann über zum letzten Teil der Veranstaltung, einer ausgiebigen Autogramm und Foto-Stunde.

Sehr geduldig saßen alle Radsporthelden an einem langen Tisch, unterschrieben Autogrammkarten, Poster, Trikots und Fahnen und kein Wunsch nach einem Erinnerungsfoto wurde ausgeschlagen. Dies gelang auch einer kleinen Delegation des Eschelbronner Radsportvereins „Club Cycliste Eschelbronn“, die von Jan Ullrich wissen wollten, ob dieser auch schon einmal durch das Schreinerdorf radelte, was dieser augenzwinkernd mit einem „ja“ zu Protokoll gab. Im Gegenzug stellte Ullrich die Frage, ob doch hoffentlich jeder Eschelbronner mit dem Rad nach Sinsheim gekommen sei, was ebenfalls bestätigt wurde. Die Frage an Ullrich, ob dieser beim Stadtradeln 2027 für die Eschelbronner auf den Sattel steigen will, ließ er noch offen. So endete eine eindrucksvolle Gedenkveranstaltung an einen Mann mit außergewöhnlicher Aura, die den Eschelbronner Radsportfreunden noch lange in Erinnerung bleiben wird.